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Verfehlter Auenschutz

Auenschutz in der VFAB Strecke

Es gibt 3 Auenschutzstrecken in unseren Revieren 15 bis 19, das heisst vom Brugger Süssbach bis an die Kantonsgrenze Aargau Solothurn in Aarau. Diese sind die Brugger Auen mit den Eisweihern in der Restwasserstrecke des Kraftwerks Wildegg-Brugg, der neue Seitenarm der Restwasserstrecke des Kraftwerks Rupperswil-Auenstein und der Seitenarm im Rohrer Schachen.

Restwasserproblematik

Die Restwasserstrecken des Kraftwerks Wildegg-Brugg hat einen minimalen Abfluss während des ganzen Jahres von 10m3/s, die von Rupperswil-Auenstein von 15, 20 oder 25m3/s je nach Jahreszeit (die genauen Zahlen können auf unserer Homepage unter Kraftwerke eingesehen werden), in der Restwasserstrecke Wildegg-Brugg soll er demnächst erhöht werden.

Bei Hochwassern haben wir in der Restwasserstrecke Abflüsse von bis zu 1000m3/s, dies ist im Fall von Wildegg-Brugg das hundert fache. Wenn man diese Zahl mit der ganzen Aare vergleicht, wo wir im Extremfall auf das 10-fache kommen, mit einem minimalen Abfluss von ca. 150m3/s und einen maximalen von 1397m3/s (Hochwasser August 2007), kann nicht mehr von Natürlichkeit geredet werden. Sobald die Wassermenge der Aare über 400m3/s steigt wird das zusätzliche Wasser über die Restwasserstrecke geleitet, was zu häufigen Hochwassern führt, gefolgt von langen Abschnitten mit gleich bleibenden Abflussmengen. Die grössten Probleme macht im Moment die Restwasserstrecke des Kraftwerks Wildegg-Brugg.

Restwasserstrecke Kraftwerk Wildegg-Brugg

Diese frappanten Unterschiede der Abflussmengen in der Restwasserstrecke Wildegg-Brugg ist für die Lebewesen, die im oder am Wasser leben eine enorme Belastung. Ebenso ein grosses Problem sind der schnelle Anstieg und Abfall der Wassermenge (Schwall/Sunk), Überflutungen von Ufern und Waldgebieten und nachfolgende Trockenlegung von Mulden und Senken, was zu Fischfallen führt, in welchen Wassertiere elendlich zu Grunde gehen. Längere Hochwasser, wie wir sie im Herbst/Winter 2012/2013 hatten, führten dazu, dass die Wassertiere den neuen Lebensraum angenommen haben. Als dann das Wasser nach dem ersten Hochwasser wieder innerhalb von Stunden sank, sind in ausgeschwemmten Mulden und Rinnen riesige Mengen von Wassertieren steckengeblieben. Es wurden zwar von den VFAB und den Kraftwerksangestellten elektrische Abfischungen gemacht oder mit Netzen und Kübeln die Fische wieder ins Wasser zurückgesetzt aber tausende von Fischen, Krebsen, Muscheln und Millionen von Bachflohkrebsen und Insektenlarven sind im Schlamm oder auf dem Trockenen erstickt. Unter jedem trockengelegten Stein waren dutzende von Bachflohkrebsen zu finden. Beim zweiten längeren Hochwasser war nur noch ein Bruchteil von gelandeten Fischen zu finden. Dies könnte einem dazu verleiten zu denken die Fische hätten es gemerkt aber es zeigt nur, dass beim ersten Hochwasser der Bestand an Kleinfischen auf einen Bruchteil reduziert wurde. Gerettet werden konnten: Forellen (4), Stichlinge (4), Grundeln, Groppen (4), Barben (4), Bachneunaugen (2) und Kleinstweissfische, die nicht genau nach Arten zugeordnet werden konnten. (Die Zahlen in Klammern bedeuten den Gefährdungsgrad der Fischart nach Verordnung zum Bundesgesetz der Fischerei)

Vor Jahren war das Kraftwerk Wildegg-Brugg verpflichtet die Restwasserstrecke zu unterhalten, so konnten immer wieder Fischfallen entfernt werden. Unterdessen wurde dem Kraftwerk im Namen des Auenschutzes verboten Unterhaltsarbeiten zu machen. Es soll alles möglichst natürlich sein. Wie oben schon erwähnt entbehren die Pegelstände in der Restwasserstrecke jeder Natürlichkeit.
Aussagen von Auenschützern wie, „einmal gewinnt diese Tierart, einmal eine andere“, stossen einem ziemlich auf, wenn man das Massensterben diesen Herbst beobachtet hat. Die Wassertiere sind auf jeden Fall immer die Verlierer, denn irgendwann und je länger es geht desto schlimmer, laufen wieder nur 10m3/s Restwasser.
Im Frühling 2013 konnte mit Unterstützung der Sektion Jagd und Fischerei endlich die Abteilung Landschaft und Gewässer überzeugt werden die schlimmsten Fischfallen entfernen zu lassen. Die Kosten übernahm die Sektion Jagd und Fischerei.
Restwasserstrecke Kraftwerk Auenstein-Rupperswil

Der neue Seitenarm führt im Winter bei 15m3/s Abflussmenge kaum Wasser, es fliesst nur ein kleines Rinnsal durch die neue Strecke. Das Wasser gefriert zum Teil und ist nur in kleineren Abschnitten eisfrei, wahrscheinlich durch wärmeres aufstossendes Grundwasser. Ausserdem ist es eine Kieswüste ohne Strukturen, Deckungen, Unterständen und Schattenwurf, in diesem Bereich wird sich kaum eine Fischpopulation einstellen.

Der wichtige Kiesbringer für das Flussbett im neuen Lauf funktioniert nur bei grösseren Hochwassern. Obwohl diesen Frühling ein langanhaltendes Hochwasser war ist der Uferbereich mit Gras bewachsen, das heisst es wurde trotz Hochwasser kein Kies abgetragen.
Der Altarm funktioniert zum Glück noch aber auch dort fehlen zum grössten Teil die Strukturen. Es wurde zwar Kies beigegeben aber da an gewissen Stellen grössere Steine und andere Hindernisse fehlen, haben sich die Rinnen und Löcher mit Kies gefüllt und werden langsam zu einem eintönigen Gerinnsel. Die alten Uferstrukturen links unterhalb der Brücke sind zum grössten Teil verschwunden, diese wichtigen Habitate für Äschenlarven und anderen Jung- und Kleinfische sind dem Bagger oder der Erosion zum Opfer gefallen. Auch die Verlaichung des Alets Anfang Sommer, die früher in diesem Bereich beobachtet werden konnte gibt es nicht mehr oder ist zumindest nicht mehr sichtbar.
Auch hier ist festzustellen, dass die Wassertiere nicht viel gewonnen haben oder wie immer zu den Verlierern gehören. Das Interesse am Tierschutz scheint an der Wasseroberfläche aufzuhören.

Seitenarm Rohrer Schachen

Den Fischern wurde währen der Projektfase und den Ausführungsarbeiten versprochen, dass die neu entstehende Insel für Fischer immer betretbar ist. In einer Nacht- und Nebelaktion wurde der Steg entfernt ohne den Fischenz-Pächter zu informieren. Nachträglich wurde kommuniziert, dass Hunde und Kleinkinder fast ertrunken seien. Wären die Hunde, wie im Wald vorgeschrieben an der Leine und die Kleinkinder unter Aufsicht, wie man es erwarten könnte, wäre diese Kurzschlusshandlung nicht nötig gewesen. Das Aareufer ist überall gefährlich, soll es überall eingezäunt werden, nur das absolute Sicherheit herrscht?

Für die Fische bringt der Seitenarm gar nichts für die ebenfalls bedrohten Amphibien hingegen sehr viel, was erfreulich ist.
Leider wird er, da er in der Innenkurve liegt, demnächst Verlanden und nur mit hohen Kosten wieder tauglich gemacht werden können.

Fazit zum Auenschutz

Hohe Kosten, Rohrer Schachen 1.4 Millionen, Rupperswil 14 Millionen.

Es wird an Vögel, Biber, Käfer und Amphibien gedacht aber die Wassertiere, welche unseren ganz besonderen Schutz haben sollten da sie im wahrsten Sinne des Wortes keine Stimme haben, werden vergessen. Die meisten Fischarten gelten als gefährdet. Die zwei früher in der Aare heimischen Krebsarten sind in der Aare bereits ausgestorben und kommen nur noch in den Seitenbächen vor. Das gleiche gilt für gewisse Muschelarten. Die unzähligen Eintags-, Stein und Köcherfliegenarten deren Larven im Wasser aufwachsen, die durch die Gewässerverschmutzung und Stauungen stark gefährdet sind oder bereits und zum Teil unbemerkt ausgestorben sind. Die wiederum die Nahrung für viele andere Tierarten wie Fische, Vögel, Kleinsäugetiere, Amphibien, Reptilien usw., sind und waren.
Aber ein Auenpark macht mehr her als wenn man in einer Kläranlage chemische Rückstände herausfiltert. Es klingt besser, wenn man Kernkraftwerke abschaltet und dafür unsere letzten freifliessenden Flüsse mit Kraftwerken zubetoniert und das ganze nachhaltige Energiepolitik nennt.
Wir unterstützen den Auen- und Naturschutz ebenfalls aber er sollte für alle Tierarten gelten auch für die, die man nicht auf den ersten Blick sieht. Wir kämpfen dafür, dass Fische nicht zu Vogelfutter degradiert werden.
Wir freuen uns auch bei der Futtersuche einem Eisvogel mit seinen Kamikazeflügen, einer Wasseramsel bei ihren Tauchübungen, einem Zaunkönig bei seinen Turnübungen im Unterholz, einer halsbrecherischen Fledermaus zuzuschauen oder den Geschäften eines Bibers, einer flinken Maus zu folgen oder dem Laichgeschäft eines Stichlings, dem Aufsteigen von schlüpfenden Mücken oder was auch immer und dies nicht nur, wenn wieder kein Fisch beissen will.

Silvio Sidler (VFAB 2013)