Fischökologischer Kurzbericht 2017

 

Lebensbedingungen und Lebensraumentwicklung im Jahr 2017:

Die Wasserführung war über das ganze Jahr sehr stabil und aufgrund geringen Niederschlägen meistens eher gering. Höhere Abflüsse gab es nur wenige Tage. Es folgte ein nasser Winter 2017/2018 mit einem kurzen Hochwasserereignis Mitte Dezember.

Aufgrund kaum vorhandener Hochwasserabflüssen haben sich bis Ende des Jahres 2017 die aquatischen Lebensräume und deren Qualität im VFAB-Gebiet kaum verändert. Das Jahr 2018 startete dann mit einem langen und massiven Januar-Hochwasser.

Die Wassertemperaturen in der Aare bewegten sich 2017 z.T. in eher extremen Bereichen. Das Jahr begann sehr kalt mit sehr tiefen Wassertemperaturen bis minimal 2,40C. Im Sommer lagen diese dann infolge mehrerer Hitzeperioden während 2,5 Monaten auf über 200C. Zeitweise war das Wasser über 230C warm. Für Salmoniden bedeutete das eine längere Stresssituation. Die für diese Arten kritischen Temperaturgrenzen wurden aber nicht erreicht.

Zusammenfassend können die Lebensbedingungen im Jahr 2017 für die Fische in der Aare als gut eingestuft werden. Negativ war allerdings die für Äschen und Forellen lange Periode mit sehr hohen Sommerwassertemperaturen.

 

Laichgeschäft 2017:

Im Frühjahr 2017 waren die Bedingungen für die Fortpflanzung der Fische in der Aare optimal. Aufgrund der langen Hochwasserperiode im Vorjahr fanden auch Kieslaicher gute Laichhabitate und die stabile Wasserführung führte zu guten Laich- und Brutbedingungen. Es kann für alle Frühjahrs- und Sommerlaicher eine erfreuliche Fortpflanzungsrate angenommen werden. Die Äschenlarven-Kartierungen zeigten ein gutes Larvenaufkommen und ab Juni konnten verbreitet und in grösseren Schwärmen Jungfische beobachtet werden. Auffällig war auch das zahlreiche Auftreten von Egli-Brut.

Eher negativ zu bewerten ist die Fortpflanzungsrate der Forelle. In der Laich- und Brutperiode 2016/2017 waren die Bedingungen zwar optimal, aber Laichgruben konnten in den potentiellen Laichgebieten zum wiederholten Mal keine gefunden werden. Zwar können nur Teilbereiche der Laichhabitate eingesehen werden. Trotzdem müssten wie in früheren Jahren da und dort Laichgruben beobachtet werden können. Gestützt auf diese sehr negative Beobachtung muss davon ausgegangen werden, dass in der Aare die Fortpflanzungsrate der Forelle gering ist. Die Laichperiode 2017/2018 war zudem noch durch das massive Hochwasser im Januar beeinträchtigt. Bleibt zu hoffen, dass aus den wenigen Seitenbächen im VFAB-Gebiet Jungforellen in die Aare abwandern und den Fortbestand einer gewissen Forellen-Population gewährleisten.

 

Beurteilung der Bestandesentwicklung aufgrund der Fangstatistik 2017:

2017 wurde 13‘697 Std. gefischt und 2‘445 Fische gefangen. Im Vergleich zu 2016 war das Fangresultat um 541 Fische und der Fangaufwand um 279 Std. geringer. Die Fangbilanz weist bei 16 Arten geringere bzw. keine, und bei 5 Arten höhere Fänge aus. Mehrere Gründe dürften für die mehrheitlich gesunkenen Fänge zutreffen. Ein Grund ist die steigende Beliebtheit der Fliegenfischerei, da diese Fischer kaum Fänge ausweisen. Zudem dürfte 2017 die niedere und stabile Wasserführung, und das dadurch verbesserte Nahrungsangebot die Beisslaune der Fische eher negativ beeinflusst haben.

Die meisten Fangschwankungen können als unbedeutend oder normal eingestuft werden. Der mit 84 Stück historisch tiefe Forellenfang ist dagegen eher die Folge einer geringen Population. Darauf weisen auch die seltenen Fänge von Untermassigen oder Forellen in der Schonzeit. Dass in der Laichzeit keine Laichgruben zu finden sind, ist auch ein Indiz dafür.

Auch die Populationen von Aal und Barbe liegen auf sehr tiefem Niveau, wobei diese bei der Barbe stabil sein dürfte. Vermehrte Fänge von untermassigen Barben beweisen auch, dass der Nachwuchs vorhanden ist.

Für das Egli ist trotz geringem Fang (432 Stück) zu hoffen, dass der 2017 festgestellte gute Nachwuchs wieder zu besseren Fängen führen wird (siehe Kapitel Laichgeschäft 2017). Grosse Populationsschwankungen sind beim Egli erwiesenermassen die Regel.

Der Alet ist nach wie vor eine der häufigsten Arten. Er ist auch der meist gefangene Fisch (915 Stück). Auch die Fänge der beliebten Arten Äsche (219 Stück) und Hecht (177 Stück) weisen auf stabile Populationen. Bei der Äsche konnte auch ein zahlreicher Nachwuchs festgestellt werden. Die etwas harzige Äschenfischerei im Herbst ist vermutlich auf das veränderte Nahrungsangebot zurück zu führen. Wasserinsekten haben in den letzten Jahren deutlich abgenommen. Beispielsweise sind die Köcherfliege und ihre Larve, das sogenannte Güegi, selten geworden. Untersuchte Mageninhalte haben gezeigt, dass sich die Äschen angepasst haben und vermehrt Bachflohkrebse oder aber sehr kleine Wassertiere fressen. Teilweise haben sie sich auch auf Erbsenmuscheln (kleine Muschelart) spezialisiert. Werden diese gefressen, wird andere Nahrung kaum beachtet.

Zusammenfassend lässt die Fischfangstatistik 2017 den Schluss zu, dass für die meisten Arten weiterhin eine relativ stabile Populationsentwicklung angenommen werden kann. Für den Aal und die Forelle trifft das aber sicher nicht zu. Wie es mit diesen Arten weitergeht, wird die Zukunft zeigen. Leider sind kaum Gründe für Optimismus vorhanden.

Letztendlich beweist die Statistik auch, dass jene Fischer, die oft am Wasser sind, in der Regel auch Fische fangen.

 

Entwicklung Seitengerinne im Auenpark Rupperswil:

Die Abflusssituation im Seitengerinne Rupperswil ist unverändert. Der Abschnitt Wasserteiler bis Flutmulde ist nur von Mai bis August wirklich durchströmt (Dotierung 25 m3/s). Der Abschnitt ab Flutmulde abwärts ist dagegen insbesondere für Klein- und Jungfische ein wertvoller Lebensraum geworden.

 

 

Rolf Acklin, Fischereiaufseher

 

Fischökologischer Bericht 2016

 

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